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Coronakrise 2020 - Gedanken einer Schülerin

  • 28 Mai 2020 |
  • geschrieben von  Louisa Armbrecht

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“
(Louisa ArmbrechtZitat der kanadischen Autorin Alanis Obomsawin, 1972)

Dieses Zitat kennt wohl jeder und die meisten wissen: es stammt von weisen indigenen Häuptlingen - und damit liegen sie ziemlich falsch.

Tatsächlich stammt das Zitat von der kanadischen Autorin A. Obomsawin, die es in einem ihrer Bücher niederschrieb. Aber egal, ob alte Mahnung der Indianer oder als Buchtext, das Zitat steckt voller Weisheit und spricht schon immer ein gegenwärtiges Thema an.
Und trotzdem funktioniert unsere Welt nur noch mit Geld. Es geht um die größten Gebäude, die schönsten Yachten, den größten Reichtum. Die Wirtschaft lenkt die Gesellschaft, beide verlassen sich immer auf die schwächsten Parteien und Menschen, die ausgebeutet werden, um den möglichst höchsten Gewinn zu erzielen. Unsere Welt wird immer schneller, immer globaler und um uns herum wimmelt es nur so von Lieferungen und Waren anderer Länder oder gar Kontinente.

Und plötzlich bleibt alles stehen: Keine Flugzeuge mehr, keine lauten Partys, keine Lieferungen. In den Supermärkten fehlt bereits zwei Stunden nach den wenigen Lieferungen Mehl, Toilettenpapier, Desinfektionsmittel und Hefe. Die Bürger trauen sich nicht mehr aus ihren Häusern, die Straßen bleiben leer und die ersten Verschwörungstheorien entstehen. Was sich anhört wie ein 0815-Apokalypsefilm aus Hollywood, ist auf einmal die Realität. Zwar laufen keine gehirnfressenden Zombies umher, aber gruselig ist das Szenario trotzdem. Und alles fing - Gerüchten zufolge - mit einer schlecht gegarten Fledermaus auf einem Fischmarkt in Wuhan, China an.

Der Auslöser für die Situation, die in Europa im Februar beginnt und drei Monate später immer noch höchst präsent ist, ist keine vom Menschen erschaffene Waffe oder neue Methodik, um Macht zu demonstrieren und Geld zu gewinnen. Es ist ein kleines Virus, das sich von Tieren auf Menschen übertragen hat und durch die Globalisierung innerhalb von Tagen und Wochen in die ganze Welt mit allen Staaten gebracht wurde. Covid-19 heißt es und gehört zur Gruppe der SARS-Viren.

Und da der kontrollgewohnte Mensch dieses Virus nicht kennt, weiß niemand, wie es weitergehen soll. Und die Folgen des Ausbruchs sind weitaus schlimmer als leere Supermarktregale, in denen sich vor kurzem noch palettenweise Toilettenpapier stapelte.

Wir Menschen sind es gewohnt, auf die Globalisierung und Staaten der ganzen Welt angewiesen zu sein - nur merken wir das schon gar nicht mehr. Man sehe sich nur jetzt mal um: womit ist die Wohnung ausgestattet? Textilien aus Indien, Pflanzen aus dem Urwald, das Mobiliar aus China. Und was gab es eben zu essen? Schnitzel, das in den USA verarbeitet wurde? Vielleicht auch nur Erdbeeren, die – Überraschung - im Mai dann doch aus Spanien, Italien oder Chile stammen? Legt ein Virus alles lahm, weil man versucht, die Ausbreitung einzudämmen, fällt auch das auf einen Schlag weg. Die Leute fangen aus Panik an, zu hamstern. Warum jedoch alle wie verrückt Klopapier kaufen, weiß so genau niemand.

Sicher ist aber, dass das Virus unserer Wirtschaft einen riesigen Schaden zufügt, und das auch in Jahren noch spürbar sein wird. So schloss China nach einigen Wochen endlich die Läden und verpasste den Bürgern einen saftigen Lockdown. Italien zog bald als am stärksten betroffenes europäisches Land nach und bald standen die meisten Staaten unter Lockdown und Quarantäne. Raus gehen darf man nur noch zum Einkaufen, von zuhause arbeiten wird empfohlen und Treffen mit Freunden sind eh Geschichte. Und gerade dieser Lockdown, dieses „von zuhause Arbeiten“, trifft die Wirtschaft eiskalt. War 2019 China noch der wichtigste Handelspartner Deutschlands, fielen die Importe aus der Volksrepublik im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro. Durch den wegbrechenden Außenhandel wird die Wirtschaftsleistung wohl in diesem Jahr um 4,2 Prozent schrumpfen. Das bedeutet einen Sturz von 3,44 Billionen auf 3,296 Billionen Euro. Was wiederum einen Verlust von 144 Milliarden Euro ausmacht. Die Globalisierung hat eben doch nicht nur positive Aspekte. Sie war schließlich der Grund, wie sich das Coronavirus in kürzester Zeit auf die ganze Welt übertragen ließ. Denn brauchte zum Beispiel die schwarze Pest im 14. Jahrhundert ein ganzes Jahr, um sich von Zentralasien auf 13 Staaten zu verbreiten, schaffte es das Coronavirus innerhalb weniger Wochen, die ganze Welt zu infizieren. Damit haben vor allem die Handels- und Reisewege zu tun, die zu der Zeit noch über Seefahrt und Eselskarren liefen, und heute den wesentlich schnelleren Weg über Flugzeuge, Autos und Züge nehmen.

Zurück zu der heutigen Zeit, in der die großen Konzerne sicht- und spürbar unter der Wirtschaftskrise 2020 leiden: Autohersteller wie VW, Audi oder Opel erhalten keine Bau- oder Ersatzteile mehr - für Autos, die sowieso nicht gebaut werden können, weil Mitarbeiter wegen fehlender Einnahmen sowie bestehender Hygiene- und Kontaktbestimmungen in Kurzarbeit arbeiten müssen und die Produktion deshalb still steht. Für Autos, die aus Gründen wie Existenzangst oder Geldmangel wegen verlorener Arbeitsstellen niemand kaufen möchte. Und auch die gesamte Touristenbranche mitsamt Reisebüros, Hotels, Reiseführerketten, Fluglinien usw. leidet unendlich unter den Umständen, dass niemand mehr das eigene Haus, geschweige denn das eigene Land verlässt.

Die Wirtschaftsriesen leiden an den Folgen des Virus. Sie können sich aber immer noch auf ihre Größe verlassen. Kleine Privatunternehmen hingegen, darunter einheimische Tourismusbranchen wie Souvenirshops, Straßenkünstler und -Verkäufer, Restaurants, Modegeschäfte, Kioske, Spezialisten, Werkstätten usw., müssen gerade wegen Covid-19 um ihre Existenz bangen. Denn bis zu den Lockerungen in den nächsten Wochen haben sie für Monate keine Einnahmen mehr erhalten, müssen dennoch Miete zahlen und können sich nicht auf große Geldpolster verlassen. Und selbst, wenn es jetzt wieder Lockerungen geben wird, stellt sich die Frage, wer zur Zeit in ein Restaurant gehen möchte.

Und auch an anderen Ecken bricht die Wirtschaft teilweise zusammen. Sogenannte Mini-Jobs auf einer Basis von 450€ brechen wegen Kurzarbeit und Ausgangssperre weg. Diese Arbeitsstellen, die einem alleinerziehenden Elternteil genug Freizeit bieten, um Kinder zu versorgen und den Haushalt zu führen und den Betrieb oder die Firma relativ wenig kosten, während wichtige Arbeitsfelder abgedeckt und Arbeit erledigt wird, sind normalerweise ein guter Deal für bestimmte Personengruppen.

Und nicht nur auf dieser Ebene wächst die Arbeitslosigkeit. Denn hinter großen Dingen stecken oft mehr Beteiligte, als man denkt.

So gibt es zum Beispiel Firmen, die Transportboxen für Musiker herstellen. Da Konzerte etc. nun aber ausfallen, schwindet natürlich auch die Anfrage für diese Produkte, und schon verlieren zehn Menschen ihre Arbeit - oft geht die Geschäftsführung sogar davon aus, dass die Firma die hohen Verluste nie ausgleichen werden kann und die Firma schließt dauerhaft.

Oft sind davon Menschen betroffen, die eben noch nie viel Geld verdient haben und keine großen Reserven haben, auf die sie sich verlassen können. „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“, heißt es im Volksmund. Dieser doch sehr umgangssprachliche Ausdruck beschreibt einfach gesagt auch in der Corona-Krise, dass die Armen immer ärmer werden und die Reichen immer reicher. Diese Waage wird sich, bildlich gesprochen, nie gleichmäßig ausrichten.

Dass auch die Gesellschaft stark unter den Umständen leidet, bekommt wohl jeder am eigenen Leib zu spüren. Frustration, Lustlosigkeit, Verzweiflung, Angst und Wut sind noch die am einfachsten zu erklärenden Emotionen, die bei den meisten auftreten.

Was weitaus beängstigender ist, ist eine ganz andere Emotion: Hass. Und dieser tritt in vielen Formen auf. Bei manchen Menschen keimt Rassismus auf. Dass die Bürger Chinas nicht der Auslöser des Virus sind, wird dann schlichtweg ignoriert und schon zieren Begriffe wie „China-Virus“ die Schlagseiten. Und das von Machthabern und Regierungschefs großer Weltstaaten. Wieviel Hass und Rassismus aber im Untergrund, zum Beispiel in rechtsradikalen Gruppen oder bei einfachen Bürgern umhergeht, ist nicht zu sagen. Asiatisch-stämmige werden auf öffentlichen Plätzen bespuckt, beleidigt und verängstigt angeguckt. « Je ne suis pas un virus » ist ein in Frankreich umgehender Satz, der die Situation gut zusammenfasst: Der Unterschied zwischen Virus aus China und Mensch, der aus Asien stammt, wird nicht erkannt und automatisch bedeuten Asiaten für diese Menschen potentielle Gefahr. Dass Asiaten genauso wenig oder viel von dem Virus betroffen sind, scheint nicht einzuleuchten.

Doch auch in anderer Form hat das Coronavirus Rassismus zur Folge. Berichten zur Folge, werden in China Menschen mit starker Pigmentierung aus Hotels gewiesen und auf offener Straße festgenommen, weil das Virus wohl von „den Schwarzen“ ausgehe. Hier wird das große Rassismusproblem Chinas deutlich. Oder besser gesagt: das Rassismusproblem der Menschheit. Denn, obwohl wir alle im selben Boot sitzen, - einige sind halt größer und teurer und andere treiben in Wallnussschalen über den Ozean - scheint es die menschliche Rasse nicht zu schaffen, einmal für einander und miteinander zu kämpfen.

Aber das Virus bringt nicht nur negative Auswirkungen mit sich. So zieht es auch Vorteile, wie das Überdenken der momentanen Wirtschaftsweise, mit sich. Denn bislang hatte zum Beispiel die Just-In-Time-Lieferung scheinbar kaum Nachteile. Diese Art des Versandes funktioniert auf Nachfrage durch die Interessenten einer Firma, welche einen Auftrag für das Produkt geben, welches dann wiederum innerhalb kürzester Zeit geliefert wird. Dieses Verfahren hält Lagerkosten klein, da die Materialien erst eintreffen, sobald der Kunde sie braucht. Das hilft auch, die gesamten Endkosten kleiner zu halten.

Das Corona-Virus zeigt deutlich, was passiert, wenn ein Staat durch diese Taktik abhängig von dem Import aus einem anderen Staat ist und die Produkte nicht vorrätig hält. So kam es von März bis Mai zu einem Lieferengpass, der verhinderte, dass Nasen-Mund-Masken und Desinfektionsmittel im Laden zu finden waren. Der Export, zum Beispiel von China nach Deutschland, war eingestellt worden und der deutsche Staat besitzt selber kaum Fabriken zur Herstellung dieser Artikel.

Was uns die Situation allerdings auch zeigte, ist, wie schnell dann doch unser Staat reagieren kann und wie gut der Mensch dann doch Hand in Hand arbeiten kann - solange er dabei finanzielle Vorteile herausziehen kann.

Denn nach kurzer Zeit machten sich Fabriken die Maskenherstellung zur Hauptaufgabe, um die Bevölkerung besser schützen zu können. Diese Geschwindigkeit, in der sämtliche Vor- bzw. Nachkehrungen getroffen wurden, ist vor allem auf unsere starke und kompetente Regierung zurückzuführen. Und auch - oder vor allem! - unser gutes Krankenhaussystem und unsere Gesundheitsversorgung waren ausschlaggebend für eine so gut laufende Eindämmung des Virus.
Wie stark und gut gerüstet unser Staat trotz der kleinen Erschütterungen durch mangelnde Vorsorge letztendlich doch ist, haben wir ein weiteres Mal bewiesen.

Und auch die Erde selber mit ihrer Flora und Fauna profitiert merklich von der Änderung der Lebensweise zu einem langsamen Leben, ohne viel Auto- und Flugverkehr, der der Erde viel CO2-Ausstoß zumutet, und ohne diesen riesigen Tourismus, der ganze Städte negativ beeinflusst, sodass man nach einem Monat Lockdown in Venedig das erste Mal wieder sauberes und klares Wasser in den Kanälen findet. Unser Planet wird kurzgesagt erholt aus dieser Situation herausgehen. Und vielleicht bemerken ja auch die Bewohner, wie sie unserem Planeten schaden.

Bei der Problemlösung spielt die Europäische Union eine der wichtigsten Rollen. Durch sie kann sich jeder Mitgliedsstaat in solch einer Krise auf sowohl finanzielle als auch wissenschaftliche und technische Unterstützung verlassen. Durch diese Vereinigung müssen kleinere Staaten nicht befürchten, durch mächtigere Staaten im Stich gelassen zu werden. Denn die EU spricht jedem Mitgliedsstaat vertraglich vereinbarte Darlehen und die Übernahme von Schulden bis zu einem bestimmten Grad zu. Dieses Phänomen trat zum Beispiel 2015 auf, als Griechenland unter hohen Schulden litt und Geld von der EU erhielt. Diese Verträge bestehen zur Sicherung, damit ein schuldbeladener Staat andere Staaten nicht mit in die Krise zieht, da ein instabiler Staat zu einer instabilen Wirtschaft innerhalb der EU führen kann.

Darüber hinaus teilen alle Staaten ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse und Meinungen, was zu weitaus mehr Erfolgen führt, als wenn jeder Staat als Einzelkämpfer fungieren würde. Die Union ist in dieser Krise vergleichsweise wie ein Ameisenstaat, der aus vielen kleinen Tieren eine Einheit bildet, die es dann vollbringen können, große Nester zu bauen und weitaus größere Eindringlinge zu besiegen. Dieser Eindringling steht hierbei als Metapher für das Coronavirus.

Fasst man die Situation kurz zusammen, lässt sich herausfiltern, dass das Coronavirus die gesamte Weltwirtschaft in eine merkliche Wirtschaftskrise führt, die auch noch in ein paar Jahren zu spüren sein wird, welche aber (hoffentlich) durch die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Staaten und vor allem innerhalb der EU so gut wie möglich abgewendet werden wird. Die Gesellschaft leidet spürbar unter Jobverlusten, den Einschränkungen des normalen Lebens und Unsicherheiten, aber der deutschen Bevölkerung wird durch gute Gesundheitsversorgung und vernünftige Regierung der Rücken weitgehend frei gehalten, solange sich die Bürger an die Vorschriften halten.

Das Virus zeigt uns aber auch Vorteile, von denen wir profitieren werden. So werden wir auf viele Umstände aufmerksam, die wir in der Zukunft ändern sollten.

Letztendlich werden wir auch diese Krise überleben und stärker daraus hervor gehen. Denn so schnell hat die menschliche Rasse noch nie aufgegeben.
Und vor allem: „Eine gute Schwäche ist besser als eine schlechte Stärke.“ (Zitat: Charles Aznavour (armenisch-französischer Chansonnier))

Quellen: n-TV.de, destatis.de, tagesschau.de, prologistic.de, europarl.europa.eu

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