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Besuch des Klosters Maria Laach

  • 05 Januar 2022 |
  • geschrieben von  Dorothea Pauls (MSS 11) und Katharina Fölster

Maria Laach 0Am 25. November 2021 fuhren ein Musikgrundkurs und zwei Religionsgrundkurse der Jahrgangsstufe 11 nach Maria Laach. Dort erhielten die Kurse eine Führung durch das Kloster passend zu den jeweiligen Unterrichtsthemen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Bevor wir davon berichten, wollen wir zunächst auf die Geschichte des Klosters eingehen:

Maria Laach wurde 1093 gegründet und 1802 durch Napoleon im Zuge der Säkularisation enteignet und verkauft. Nach der teilweisen Zerstörung durch einen Brand im Jahre 1855 und dem Wiederaufbau durch Jesuiten für ihre Zwecke wurde das Kloster 1892 durch Benediktinermönche wiederbesiedelt. Maria Laach 6Seit 129 Jahren nun zünden die Mönche am Jahrestag, dem 25. November (also unserem Besuchstag) bzw. auch schon am Vorabend immer eine weitere Kerze an, um der Wiederbesiedlung zu gedenken und das Ereignis mit diesem Lichterfest zu feiern. Entsprechend erleuchteten hier am 24. November 129 Kerzen das Refektorium zur Abendmahlzeit der Mönche. Dies ist eine ganz besondere Atmosphäre.

Die Führung startete von der sechstürmigen romanischen Basilika aus, wo sich uns die Mönche kurz vorstellten und von ihren Aufgabenbereichen erzählten. Wir erfuhren auch, wie lange sie hier schon leben. Da konnte man auch gut erkennen, dass es sowohl junge als auch ältere Mönche gibt, die sich für ein Leben in einer Klostergemeinschaft begeistern und sich dazu entschieden haben, ihr ganzes Leben dort zu verbringen.

Maria Laach 7Der Novize Bruder Jonas, der unseren Musikkurs führte, kam vor einem Jahr nach Maria Laach und ist 27 Jahre alt. Er studierte Kirchenmusik und entschied sich mit Mitte 20, ins Kloster einzutreten, da er schon einmal eine Zeit dort während seines Studiums verbringen durfte. Bruder Marianus ist schon seit sehr langer Zeit dabei und mit seinen 80 Jahren einer der älteren Mönche dort, der älteste ist 93 Jahre alt. Er wirkte noch sehr vital und erzählte begeistert und rege von seinem Leben im Kloster und hatte gleichzeitig sehr viel Spaß, dem Religionskurs von Frau Ginsheimer die verschiedensten Bereiche des Klosters zu zeigen. Bruder Stephan - ein mit 39 Jahren auch noch recht junger studierter Bildhauer, der ebenfalls begeistert aus seinem Leben berichtete und später Bruder Jakobus führten den Religionskurs von Frau Cholewa.

Nach der Vorstellungsrunde ging es in den drei Kleingruppen der Kurse weiter.

Maria Laach 3Die Führung durch die romanische Basilika gab einen Einblick, wo die Christen an diesem Ort das erste mal Gottesdienst gehalten haben. Beim Betreten der Kirche, die für jeden offensteht, wird der Blick des Besuchers von einem Mosaikbild von Christus angezogen, das ganz vorne im Chorraum in der Ostapsis abgebildet ist. Dazu sagt man auch, dass man Christus je nach Lage des Lebens eher lächelnd oder eher kritisch dreinschauend sieht, aber das ist nur eine Erzählung, die man einander weitergibt. Auf jeden Fall faszinierend ist es, dass der Blick dieses Christusbildes einen an jedem Ort der Basilika fixiert. Maria Laach 1Bruder Jonas meinte, das sei auch ein Sinnbild, das für den Rest der Welt gelte: Christus hat uns überall fest im Blick und sieht auf unser Leben.

Bruder Jonas stieg mit uns in die unterirdische Krypta, den ältesten Teil der Basilika, hinab, wo unter einer Mosaikplatte der erste Abt des Klosters ruht (+ 1152).  Im weiteren Rundgang durch die Kirche entdeckten wir vorne in der Sakramentskapelle verschiedene Heilige auf den Wandfresken.

In der Sakristei betrachteten wir weitere beeindruckende Wandmalereien wie beispielsweise die Szene der Kreuzigung und die Darstellung im Tempel. Diese Werke wurden in der Zeit nach der Wiederbesiedlung im Stil der sogenannten Beuroner Kunstschule gemalt.

Bruder Jonas zeigte uns einen aus einem Schrank ausklappbaren Beichtstuhl sowie verschiedene liturgische Gewänder für die Gottesdienste, die in Schränken hingen.

Maria Laach 4Das Interessanteste und Beeindruckendste für viele von uns an diesem Tag jedoch war die 66-registrige Doppelorgel, welche vom unten stehenden Spieltisch aus zu bedienen ist, deren Orgelpfeifen jedoch oben von der Empore herabklingen. Wir hatten das Vergnügen, sie spielen zu hören und man kann nur sagen, dass sie wirklich einen wunderbaren Klang hat. Bruder Jonas faszinierte uns, indem er es verstand, die zahlreichen Register der mächtigen Orgel geschickt einzusetzen. Klänge von tief bis hoch, vom „pianissimo“ bis „forte“ erfüllten den gesamten Kirchenraum.

Maria Laach 5Danach führte uns Bruder Jonas in die große und unheimlich beeindruckende Bibliothek. Dort durften wir erfahren, dass sie eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken in Rheinland- Pfalz ist. So bietet sie beispielsweise auch für Theologiestudenten die Möglichkeit, ihr Wissen zu vertiefen. Interessierte Besucher können sich auch für mehrere Tage ein Zimmer im Kloster mieten, um in Ruhe in der Bibliothek zu lernen. Die Bibliothek der Abtei, die auf zwei unterschiedliche Standorte innerhalb des Klostergeländes aufgeteilt ist, umfasst insgesamt ungefähr 270.000 Bücher. Etwa 60.000 davon stehen in der alten, so genannten Jesuitenbibliothek, die wir besichtigt haben. Unter den Büchern sind auch einige wertvolle und seltene Exemplare aus dem späten Mittelalter, die zu ihrem Schutz unter besonderen klimatischen Bedingungen aufbewahrt werden. Darunter sind auch einige musikalische Handschriften wie Gradualien und Antiphonalien aus dem 16. Jahrhundert.

Nach den Rundgängen der Kurse durch das Kloster und einer kurzen Verschnaufpause, in der manche die Kunst- und Buchhandlung besichtigen konnten, wurden alle Gruppen in Räume des Klosterforums geführt. Die beiden Religionskurse sahen einen Informationsfilm über das Kloster. Der Musikgrundkurs durfte mittelalterliche Handschriften aus der Bibliothek bestaunen und einen Gregorianischen Choral (Quinque prudentes virgines – Perikope der klugen Jungfrauen) unter dem Dirigat von Bruder Jonas singend kennenlernen und interpretieren. Bruder Jonas demonstrierte uns die geschichtliche Entwicklung des gregorianischen Chorals anhand von unterschiedlichen Handschriften. Somit erfuhren die Schülerinnen und Schüler unter anderem auch, dass der Gregorianische Choral auf seine Weise die strengen Formen der romanischen Architektur erfüllt und den Tagesablauf und das Wirken der Mönche prägt.

Im Anschluss war noch etwas Zeit, in einer Gesprächsrunde Fragen zu stellen, die mit der Zeit entstanden waren. Bruder Jonas berichtete gern über seinen eigenen Werdegang. Er beschrieb, dass ihm das Leben in solch einer Glaubensgemeinschaft zugesagt und gewissermaßen angezogen habe und er sich in Maria Laach direkt „zuhause“ gefühlt habe. Zudem beschrieb er uns das Zusammenleben im Kloster mit seinen auch strengen Regeln, Aufgaben, Möglichkeiten und natürlich auch Schwierigkeiten. So erfuhr man beispielsweise, dass man als Mönch selbstverständlich neben seinen Verpflichtungen auch „normalen“ Freizeitbeschäftigungen wie Computerspielen oder einfach mal „einen Döner essen gehen“ nachgehen darf und sogar auch in den Urlaub fahren kann. Ebenso die Frage, welche Bedingungen Voraussetzung sind, um in ein Kloster einzutreten, war ein Gedanke, der natürlich alle Anwesenden beschäftigte.

Das Mittagsgebet der Mönche, in dem der Gregorianische Choral als gesungenes Gebet und Wort Gottes im Vollzug der Feier der Liturgie den Mittelpunkt bildet, beschloss dann unseren erlebnisreichen Exkursionsvormittag. Wir verabschiedeten uns von den Mönchen und fuhren wieder in die Schule zurück.

Man kann wirklich jedem empfehlen dort eine Führung zu erleben, denn es lohnt sich: Man erhält einen Einblick in das Leben der Mönche und auch in die wunderschönen Bauten und den Tagesablauf -  also für jeden ist etwas dabei.

Abschließend haben wir noch einzelne Eindrücke der Schülerinnen und Schüler des Musikkurses gesammelt:

„Am eindrucksvollsten fand ich die Bibliothek mit ihren mehreren Stockwerken, der Wendeltreppe und ihren vielen Büchern.“

„Es gab sehr viele interessante Mosaiken.“

„Am eindrucksvollsten war die Demonstration der Orgel.“

„Ich fand die Orgel am beeindruckendsten und die Funktionsweise der Orgel.“

„Mein erster Gedanke, als ich hörte, dass wir ins Kloster fahren, war eher negativ. Ich dachte, die Mönche sind irgendwie komisch. Jedoch waren sie ganz normale Menschen, die sich einfach dazu entschieden haben, in einer Gemeinschaft zu leben und das als Christen.“

„Der Baustil der Klosterkirche ist beeindruckend. Ein Mix aus Romanik und Gotik sorgt für einen gewöhnungsbedürftigen, aber schönen Anblick.“

„Das Sprichwort „Halt` die Klappe“ stammt aus der Situation, in der jemand die Sitzklappe knallen lässt.“ (im Chorgestühl der Mönche).

 

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